Butter wirkt harmlos, fast nostalgisch, wenn sie in der Kühlschranktür liegt.
Doch manche Becher verdrehen still und leise die Definition von „echter Butter“.
In Frankreich hat eine aktuelle Untersuchung des Verbrauchermagazins 60 Millions de consommateurs dieses gemütliche Bild erschüttert. Hinter rustikalen Grafiken und beruhigenden Hinweisen erfüllen einige als Butter verkaufte Produkte kaum noch die gesetzliche Definition des Begriffs – und setzen stark auf Zusatzstoffe statt auf Sahne.
Warum nicht jede Supermarktbutter gleich ist
Die traditionelle Butterherstellung beginnt mit Sahne. Die Sahne reift mehrere Stunden, dann wird sie im Butterfass (oder in einer Buttermaschine) geschlagen, bis sich das Fett von der Buttermilch trennt. Das Ergebnis: ein festes Fett, reich an Milchlipiden, mit einer typischen Textur und einem charakteristischen Aroma.
Laut 60 Millions de consommateurs verbirgt dieses handwerkliche Bild heute oft eine deutlich industriellere Realität. Rund 90% der Supermarktbutter wird nicht mehr so gebuttert, wie es sich viele Verbraucher vorstellen. Stattdessen entsteht sie im „Butyrator“ (manchmal auch „Butterkanone“ genannt), einer kontinuierlich arbeitenden Maschine, die Fettkügelchen bei hoher Geschwindigkeit zusammenführt.
Diese Technologie bedeutet nicht automatisch schlechtere Qualität, verändert aber den Prozess. Selbst wenn Hersteller auf der Verpackung Holzfässer und Hoftradition beschwören, bestehen die tatsächlichen Anlagen häufig aus großen Edelstahltanks und automatisierten Linien.
Das Magazin betont, dass nur eine Minderheit der Produkte noch alle Stufen der traditionellen Herstellung einhält – insbesondere die entscheidende Reifezeit der Sahne von 10 bis 20 Stunden. Dieser Schritt entwickelt das Aroma und beeinflusst, wie sich Butter beim Schmelzen oder Streichen verhält.
Die Kluft zwischen Verpackungsstory und tatsächlichem Herstellungsprozess war im Kühlregal selten größer.
Die erste Erkenntnis ist daher simpel: Supermarktbutter unterscheidet sich in der Herstellung, in den Inhaltsstoffen – und sogar darin, wie exakt sie der gesetzlichen Butter-Definition entspricht.
Die gesetzliche Definition von Butter in Europa
Seit 1994 ziehen EU-Vorschriften eine klare Grenze zwischen Butter und anderen streichfähigen Fetten. Ein Produkt, das als Butter vermarktet wird, muss:
- mindestens 80% und weniger als 90% Milchfett enthalten
- höchstens 16% Wasser enthalten
- höchstens 2% fettfreie Trockenmasse enthalten (vor allem Milcheiweiß und Mineralstoffe)
Unter 80% Fett sollten Hersteller andere Bezeichnungen verwenden, etwa „Streichfett“, „fettarmes Streichfett“ oder ähnliche Formulierungen. Diese Unterscheidung ist für Verbraucher relevant, die glauben, ein schlichtes Milchprodukt zu kaufen.
Wenn ein als „Butter“ gekennzeichnetes Produkt deutlich unter 80% Milchfett fällt, ist die Lücke nicht nur ernährungsphysiologisch, sondern auch rechtlich.
Die Untersuchung von 60 Millions de consommateurs zeigt, dass einige Supermarkt-Sortimente diese Grenze verwischen – mit „Buttern“, die sich eher wie Hybrid-Streichfette verhalten.
Die 3 von 60 Millions de consommateurs herausgestellten „Buttern“
1. Eco+ „Süßrahm-“ und „Halbsalzbutter“ (Leclerc): viel zu wenig Fett
Die erste vom Magazin beanstandete Produktgruppe sind Eco+ „beurre doux“ und „beurre demi-sel“ des französischen Händlers Leclerc. Vorderseitig wird „Butter“ in vertrauter Weise genannt. Auf der Rückseite liegt der Fettgehalt bei rund 60%.
Damit ist das Produkt nach EU-Recht eher ein fettarmes Streichfett als echte Butter. Der Hinweis darauf steht offenbar auf der Packung – jedoch so unauffällig, dass viele Kunden ihn übersehen könnten.
Das Problem ist nicht nur eine Frage der Kalorien. Bei 60% Fett müssen Hersteller Konsistenz und Mundgefühl oft nachjustieren, häufig durch mehr Wasser, Stabilisatoren oder andere funktionelle Zutaten. Das Produkt verhält sich anders beim Kochen, auf Toast und in feinem Gebäck.
Eine „Butter“ mit 60% Fett täuscht nicht nur Erwartungen; sie verändert Nährwertprofil und Küchenverhalten.
2. „Les Croisés“ 40%-Light-Buttern (Leclerc): ein Cocktail aus Zusatzstoffen
Die zweite von 60 Millions de consommateurs hervorgehobene Kategorie sind Leclercs „Les Croisés“-Light-Buttern mit 40% Fett. Kritisiert wird hier nicht nur der deutlich reduzierte Fettgehalt, sondern auch die Zutatenliste.
Um das nahezu halbierte Milchfett auszugleichen, setzt die Rezeptur auf mehrere Zusatzstoffe:
- modifizierte Maniokstärke, zur Verdickung und Stabilisierung der Textur
- E471 (Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren), ein gängiger Emulgator
- E466 (Cellulosegummi), ein weiterer Verdicker für ein cremiges Gefühl
- E202 (Kaliumsorbat), ein Konservierungsstoff zur Verlängerung der Haltbarkeit
Für sich genommen sind diese Zusatzstoffe zugelassen und in der Lebensmittelverarbeitung weit verbreitet. Die vom Magazin geäußerte Sorge betrifft vor allem die Verbrauchererwartung: Wer zu „Light-Butter“ greift, denkt möglicherweise, er wähle einfach weniger Fett – und nicht ein neu formuliertes Streichfett, das mit mehreren Texturgebern aufgebaut wird.
3. Elle & Vire 41%-Light-Süßrahmbutter: Stärke versus „ohne Zusatzstoffe“-Botschaft
Das dritte Produkt im Fokus ist die Light-Süßrahmbutter von Elle & Vire mit 41% Fett. Die Marke habe ihre Rezeptur über die Jahre offenbar verbessert – dennoch stört die Tester ein Detail: das Vorhandensein von Stärke trotz einer „ohne Zusatzstoffe“-ähnlichen Botschaft auf der Verpackung.
Stärke fällt regulatorisch nicht in dieselbe Kategorie wie ein E-Nummern-Zusatzstoff. Doch für viele Verbraucher impliziert das Versprechen „ohne Zusatzstoffe“ eine besonders kurze, „saubere“ Zutatenliste. Stärke zur Wiederherstellung des Mundgefühls bei geringerem Fett kann daher als Widerspruch zur Marketingaussage wirken.
Wenn Botschaften auf der Vorderseite Reinheit suggerieren, kann jeder zugesetzte Verdicker – selbst ein vertrauter wie Stärke – Vertrauen untergraben.
Wie man Butter auswählt, die sich wirklich wie Butter verhält
Die französische Untersuchung betrifft Marken, die in Frankreich verkauft werden – die Grundprinzipien gelten jedoch ebenso in Deutschland, Großbritannien, den USA und anderswo. Ob Eigenmarke oder teure Hofbutter: Einige einfache Reflexe helfen, ein ehrlicheres Produkt zu wählen.
Zuerst den Fettgehalt prüfen
Wer echte Butter möchte, sollte 80–82% Milchfett anpeilen – das ist in vielen europäischen Ländern der klassische Standard. Dieser Wert sorgt für die vertraute Festigkeit direkt aus dem Kühlschrank und dafür, wie Butter schmilzt und bräunt.
Als „light“, „fettreduziert“ oder „weniger Fett“ beworbene Produkte liegen meist zwischen 39% und 60% Fett. Sie können für Menschen sinnvoll sein, die auf die Energiezufuhr achten, verhalten sich aber nicht mehr wie reine Butter. Beim Backen braucht man oft mehr davon, um denselben Effekt zu erzielen, und der Geschmack wirkt häufig schwächer.
Auf eine kurze Zutatenliste achten
Konventionelle Butter enthält in der Regel:
- Sahne (oder Milch)
- Milchsäurekulturen (bei bestimmten Sauerrahm-/milden „laktischen“ Buttern)
- Salz (bei gesalzener Butter)
Wenn mehrere Zeilen mit Verdickungsmitteln, Emulgatoren, Stärken oder Konservierungsstoffen auftauchen, handelt es sich wahrscheinlich um ein Streichfett und nicht um traditionelle Butter. Je weiter sich die Rezeptur von „Sahne plus Salz“ entfernt, desto stärker verhält sich das Produkt wie ein technisch formuliertes Fettprodukt.
Qualitätskennzeichen wie g.U./AOP (PDO/AOP) berücksichtigen
In Frankreich und anderen europäischen Ländern weisen geschützte Herkunftsbezeichnungen (PDO/AOP; auf Deutsch oft g.U.) Produkte aus, die an eine bestimmte Region und Herstellungsweise gebunden sind. Bei Butter bedeutet das: Milchgewinnung, Sahne-Reifung, Buttern und Verpackung müssen in einem festgelegten Gebiet nach strengen Regeln erfolgen.
60 Millions de consommateurs merkt an, dass PDO/AOP-Buttern meist verlässliche Zusammensetzungen und tatsächlich regionale Milch bieten. Die Sahne muss mehrere Stunden reifen, was dem Aroma zugutekommt. Dennoch nutzen viele PDO/AOP-Erzeuger heute ebenfalls industrielle Butyratoren – das Verfahren ist kontrolliert, aber nicht zwingend „rustikal“.
Ein Gütesiegel garantiert oft Herkunft und Prozess, bedeutet aber nicht automatisch romantische Kleinproduktion im „Bauernhof“-Sinn.
Light-Butter: Gesundheitstrick oder Marketingillusion?
Ernährungsphysiologisch wirkt es logisch, Butterfett zu reduzieren: weniger Fett heißt weniger Kalorien und weniger gesättigte Fettsäuren. Doch die Nachteile bekommen selten dieselbe Aufmerksamkeit.
| Produkttyp | Ca. Fettgehalt | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Standardbutter | 80–82% | Kräftiges Aroma, einfache Zusammensetzung, mehr Kalorien |
| Fettreduzierte „Light-Butter“ | 39–60% | Weniger Kalorien pro Gramm, oft mehr Wasser und Texturgeber |
| Pflanzliches Streichfett | 35–70% | Pflanzenöle, Emulgatoren, teils Pflanzensterine oder Vitamine |
Sinkt der Fettgehalt, müssen Hersteller das Produkt häufig mit Wasser, Verdickern und Stabilisatoren „auffüllen“, damit es nicht auseinanderfällt. Beim Kochen oder Backen nutzt man wegen des schwächeren Aromas und des höheren Wasseranteils möglicherweise größere Mengen – was die Kalorieneinsparung teilweise aufheben kann.
Für Menschen mit kardiovaskulären Risikofaktoren ist das gesamte Ernährungsmuster oft wichtiger als die Frage, ob ein einzelnes Produkt „light“ ist. Eine maßvolle Menge Vollfett-Butter in einer ausgewogenen Ernährung kann weniger Verwirrung stiften, als auf ein stark verarbeitetes Light-Streichfett umzusteigen und anderswo zu kompensieren.
Etiketten lesen: eine schnelle Methode im Kühlregal
Eine einfache, wiederholbare Routine hilft, die in der französischen Studie beschriebenen Fallen zu vermeiden – auch wenn man in einem anderen Land mit anderen Marken einkauft.
- Schritt 1: Produktname prüfen. Steht klar „Butter“ drauf – oder „Streichfett“, „Light-Streichfett“, „Fettmischung“?
- Schritt 2: Fettgehalt suchen. Alles unter 80% ist keine Standardbutter mehr.
- Schritt 3: Zutatenliste scannen. Ziel: höchstens zwei bis drei Zutaten.
- Schritt 4: Auf vage Gesundheitsclaims achten („light“, „figurfreundlich“, „ohne Zusatzstoffe“, „clean“) und mit der Zutatenliste abgleichen.
- Schritt 5: Beim Backen bedenken: Produkte mit viel Wasser können Teige und Gebäck ruinieren, weil sie die Textur verändern.
So ein kurzer Check dauert, sobald man ihn gewohnt ist, weniger als eine Minute – und senkt deutlich das Risiko, etwas ganz anderes zu kaufen als beabsichtigt.
Jenseits der Butter: was das über hochverarbeitete Lebensmittel sagt
Die Debatte um diese drei „Buttern“ ist Teil einer größeren Diskussion über hochverarbeitete Lebensmittel. Viele Verbraucher wünschen sich „leichtere“ Produkte und bequeme Texturen, sehnen sich aber zugleich nach Authentizität und minimaler Verarbeitung. Die Industrie versucht häufig, beide Wünsche gleichzeitig durch clevere Rezepturen und geschicktes Marketing zu bedienen.
Ernährungsforscher warnen zunehmend, dass der Verarbeitungsgrad insgesamt ebenso bedeutsam sein könnte wie Zucker, Salz oder Fett allein. Lange Zusatzstofflisten, intensive Verarbeitungsschritte und stark „engineerte“ Texturen gehen oft mit höherem Konsum von Snacks, süßen Getränken und Fertiggerichten einher.
Butter ist dafür ein klares Fallbeispiel: Die traditionelle Variante kann nahe am Ausgangsrohstoff bleiben, während eine Light- oder reformulierte Variante weiter auf dem Spektrum hochverarbeiteter Produkte liegt. Wer diese Verschiebung auf dem Etikett erkennt, kann die gleiche Logik auf Joghurt, Wurstwaren, Riegel, Snacks und pflanzliche Alternativen anwenden.
Für alle, die ihre Ernährung verbessern wollen, ohne sich in Zahlen zu verlieren, lässt sich aus der französischen Untersuchung eine praktische Regel ableiten: Lebensmittel wählen, die noch wie ihre ursprüngliche Zutatenliste aussehen; Light- oder reformulierte Varianten eher gelegentlich statt standardmäßig nutzen; und Versprechen auf der Vorderseite als Werbung betrachten – nicht als Ernährungsberatung.
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