In einem Land, das von butterbeschmiertem Toast und blättrigem Feingebäck besessen ist, hat ein erschwinglicher Block gerade die Supermarktregale aufgerüttelt.
Die französische Verbraucherorganisation 60 Millions de consommateurs hat still und leise einen neuen Champion gekürt: eine traditionell hergestellte Butter für unter 4 €, die es mit deutlich teureren Produkten aufnehmen kann – und bereits Diskussionen unter Foodies und preisbewussten Käuferinnen und Käufern auslöst.
Butter unter der Lupe in einem Land, das sie verehrt
Butter prägt den Alltag in Frankreich ganz wörtlich. Sie kommt in die Pfanne, veredelt Gebäck, trägt Saucen und schmilzt ganz einfach auf noch warmen Baguettes. Während Olivenöl vor Jahren als „gesundes Fett“ ins Rampenlicht rückte, hält Butter – gerade in Europa – emotional und kulinarisch weiterhin fest die Stellung.
Hinter dem cremigen Ruf steckt ein Nährwertprofil, das nuancierter ist, als viele denken. Butter liefert gesättigte Fettsäuren, ja – aber auch fettlösliche Vitamine, Antioxidantien, etwas Eiweiß sowie Mineralstoffe wie Calcium. Die Qualität schwankt jedoch stark: von industriellen Standardblöcken mit gedämpftem Aroma bis hin zu komplexen, fast käseartigen Buttersorten aus sorgfältig behandelter Sahne.
Wer regelmäßig Butter isst, stellt nicht die Frage „Butter oder keine Butter?“, sondern: Welche Butter verdient ihren Platz im Kühlschrank?
60 Millions de consommateurs, Frankreichs unabhängige Verbraucherwacht, hat Supermarkt-Buttern genau unter diesem Blickwinkel geprüft: nicht nur Geschmack, sondern auch Herstellungsverfahren, Zutaten und Preis-Leistungs-Verhältnis. Ihr aktueller Ratgeber mit dem pointierten Titel „Comment bien choisir son beurre sans se faire barattiner“ (sinngemäß: „Wie man Butter richtig auswählt, ohne veräppelt zu werden“) richtet sich an Alltagskäuferinnen und -käufer, die vor einer Wand aus Folienpäckchen und Werbeversprechen den Überblick verlieren.
Unter Dutzenden Produkten sticht für die Organisation eine Referenz besonders heraus: eine traditionell „gebarattete“ „Grand Cru“-Butter, die trotz steigender Milchpreise unter der symbolischen 4‑Euro‑Marke bleibt.
Der Überraschungssieger: eine „Grand Cru“-Butter aus der Buttermaschine
Die von 60 Millions de consommateurs herausgehobene Butter ist die Le Gall „beurre de baratte grand cru“, hergestellt aus roher, nicht pasteurisierter Sahne. Allein dieses Detail unterscheidet sie von den meisten Supermarkt-Buttern, die aus Gründen der Haltbarkeit und Logistik üblicherweise auf pasteurisierte Sahne setzen.
Le Galls Baratte-Butter gehört zu einer eher speziellen Kategorie. Gebarattete Butter macht rund 10 % der französischen Produktion aus – in einem Land, das knapp 3 kg Butter pro Person und Jahr konsumiert. Dennoch erhält gerade dieses Segment besonders viel Lob von Köchinnen und Köchen, Patissiers und zunehmend auch von Konsumentinnen und Konsumenten, die für Charakter und Aroma gern etwas mehr bezahlen.
Was „beurre de baratte“ eigentlich bedeutet
In industriellen Anlagen lässt sich Butter sehr schnell in kontinuierlichen Verfahren herstellen. Beurre de baratte geht den langsameren Weg: Die Sahne durchläuft eine Reifung (Fermentation) und ein Buttern, das traditionellen Hofmethoden näherkommt.
Praktisch sieht der Ablauf so aus:
- Die Sahne reift 10 bis 20 Stunden mit Milchsäurekulturen.
- In dieser Zeit wird sie dicklicher, leicht säuerlicher und entwickelt komplexe Aromen.
- Danach kommt die gereifte Sahne in die Buttermaschine (die „Baratte“).
- Durch mechanische Bewegung trennen sich Fettkügelchen von der flüssigen Molke (Buttermilch).
- Die Fettkügelchen lagern sich zu Butterkörnern zusammen, die anschließend geknetet und geformt werden.
Der gesamte Prozess dauert ungefähr 24 Stunden. Für riesige Produktionsmengen ist das wenig geeignet – aber sinnvoll, wenn Geschmack oberste Priorität hat.
Die lange Reifung und das schonende Buttern verleihen diesen Buttern eine besondere Tiefe und eine leichte Haselnussnote, die Standardbutter oft fehlt.
60 Millions de consommateurs betont genau diese aromatische Dimension: Le Galls Grand-Cru-Butter zeige ein klar erkennbares, nussiges, milchiges Profil, das sich von neutraleren Supermarktblöcken abhebt. Der Begriff „Grand Cru“ folgt hier zwar keinem formalen Regelwerk wie beim Wein, signalisiert aber einen Fokus auf Herkunft, Methode und Charakter statt auf reine Menge.
Rohsahne: Was sich für Verbraucherinnen und Verbraucher verändert
Butter aus Rohsahne bleibt ein Nischenprodukt. Die meisten Molkereien pasteurisieren Sahne, um Keime abzutöten und die Haltbarkeit zu stabilisieren. Le Gall arbeitet mit nicht pasteurisierter Sahne, in der mehr ursprüngliche Enzyme und Mikroflora erhalten bleiben. Diese Entscheidung kann die aromatische Komplexität erhöhen – besonders nach einer Fermentation mit ausgewählten Kulturen.
Im Alltag bedeutet das ein anderes Mundgefühl und eine intensivere Aromatik. Auf Brot oder auf heißem Gemüse wirkt Rohsahne-Butter aus der Baratte oft ausdrucksstärker – fast wie eine Zwischenstufe zwischen Butter und Frischkäse. Viele Köchinnen und Köche nutzen diese zusätzliche Tiefe beim Abschmecken von Saucen oder beim Verfeinern von Kartoffelpüree, ohne eine lange Liste an Extra-Zutaten zu benötigen.
Kürzere Haltbarkeit: der Kompromiss für besseren Geschmack
Der rohe, langsam hergestellte Charakter bringt eine klare Einschränkung mit sich: Die Butter hält nicht so lange. 60 Millions de consommateurs erinnert daran, dass eine Rohsahne-Baratte-Butter wie die von Le Gall im Kühlschrank etwa zwei bis drei Wochen hält – im Vergleich zu zwei bis drei Monaten bei einem klassischen pasteurisierten Block.
Kaufen Sie sie wie frische Lebensmittel – nicht wie einen Vorratsartikel: verwenden, genießen, nachkaufen.
Im Supermarkt ist die Le-Gall-Grand-Cru-Linie typischerweise in drei Varianten zu finden:
| Typ | Salzgehalt | Beste Verwendung |
|---|---|---|
| Süß (doux) | Kein zugesetztes Salz | Patisserie, Desserts, Saucen, bei denen die Würzung exakt sein muss |
| Halbsalz (demi-sel) | Moderat gesalzen | Toast, Sandwiches, Gemüse „finishen“, Alltagsküche |
| Bio (bio) | Je nach Produkt unterschiedlich | Für Menschen, die Bio-Landbau und Rückverfolgbarkeit priorisieren |
Für Haushalte ist entscheidend, den Einkauf an die kürzere Lebensdauer anzupassen. Einen großen Block „für alle Fälle“ zu kaufen und hinten im Kühlschrank zu vergessen, funktioniert hier nicht mehr. Kleinere Mengen, zügig verbraucht, reduzieren Lebensmittelverschwendung und halten das Geschmackserlebnis auf seinem Höhepunkt.
Wie man in jedem Supermarkt gute Butter auswählt
Le Galls Produkt steht in Frankreich im Fokus – doch die Methode, mit der 60 Millions de consommateurs es herausfiltert, hilft beim Einkauf überall. Ein Blick aufs Etikett liefert mehrere Hinweise auf Sorgfalt und Qualität.
Labels und Angaben, die wirklich zählen
Hier einige nützliche Anhaltspunkte – egal ob Sie in Paris, London oder New York einkaufen:
- Fettgehalt: Klassische Butter liegt bei etwa 80–82 % Fett. Meiden Sie Streichfette mit langen Zusatzstofflisten, wenn Sie „reine“ Butter möchten.
- Art der Sahne: Angaben wie „Rohsahne“, „kultivierte“ oder „fermentierte Sahne“ deuten oft auf aromatischere Produkte hin.
- Gebuttert / Baratte: Begriffe wie „gebarattet“, „baratte“, „batch churned“ oder „slow churned“ stehen meist für handwerklichere Verfahren.
- Herkunft und geschützte Bezeichnungen: In Europa können Siegel wie g.U. (AOP/PDO) auf strenge Regeln und geschützte regionale Stile hinweisen.
- Salz: Ungesalzen fürs Backen und feine Saucen; halbsalzig oder gesalzen für den Tisch und einfache Küche.
Auch der Preis liefert indirekte Hinweise. Die günstigste Butter im Supermarkt basiert oft auf stark standardisierter Sahne und Hochgeschwindigkeitsprozessen. Premium-Butter muss nicht luxuriös teuer sein – aber ein zusätzliches Pfund oder ein Euro bedeutet häufig mehr Zeit, besseres Futter für die Kühe oder langsamere Herstellungsweisen.
Gesundheit, Maßhalten und realistischer Einsatz
Butter steht an der Schnittstelle zwischen Genuss und Gesundheitsdebatte. Sie liefert gesättigte Fettsäuren, die Ärztinnen und Ärzte bei hohen Mengen mit kardiovaskulären Risiken in Verbindung bringen. Gleichzeitig blendet eine vollständige Verteufelung von Butter ihren Nährwert und ihre kulturelle Rolle in vielen Küchen aus.
Ernährungsfachleute landen meist bei einer pragmatischen Botschaft: Butter als Würzmittel nutzen – nicht als Hauptzutat. Das kann heißen:
- Für alltägliches Braten und große Mengen eher pflanzliche Öle verwenden.
- Butter für geschmacksentscheidende Momente reservieren: ein Stück in die Pfannensauce, ein dünner Film auf Brot, ein Finish für Pasta oder Reis.
- Aromatischere Buttern (gebarattet oder kultiviert) wählen, damit kleinere Mengen mehr Geschmack liefern.
In diesem Sinne unterstützt eine intensiver schmeckende Butter wie Le Galls Grand Cru das Maßhalten: Mehr Aroma fördert dosierten Einsatz. Eine dünne Scheibe kann dennoch sehr befriedigend sein – besonders mit gutem Brot oder saisonalem Gemüse.
Praktische Tipps: Aufbewahrung, Verkostung und Alltagsküche
Da gebarattete Rohsahne-Buttern schneller altern, machen Aufbewahrungsgewohnheiten einen echten Unterschied. Den Block gut einwickeln und fern von stark riechenden Lebensmitteln lagern, die das Aroma übertragen könnten. Viele Köchinnen und Köche bewahren den Hauptvorrat im kältesten Bereich des Kühlschranks auf und halten ein kleineres Stück in einer Butterdose für den direkten Gebrauch bereit – das dann alle paar Tage ersetzt wird.
Wenn Sie Butter richtig beurteilen möchten, probieren Sie sie bei kühler Zimmertemperatur auf neutralem Brot oder einem schlichten Cracker. Achten Sie auf Salzgehalt, Säure und den Nachhall im Mund. Gute Butter sollte sauber und anhaltend schmecken, ohne wachsige oder fettig-schmierige Eindrücke. Die von 60 Millions de consommateurs beschriebene leichte Haselnussnote zeigt sich oft erst nach ein paar Sekunden – nicht sofort.
In der Küche können Sie zu Hause ein einfaches Experiment machen: Bereiten Sie zwei identische Portionen Kartoffelpüree zu – eine mit einfacher Supermarktbutter, eine mit gebaratteter oder kultivierter Butter im Le-Gall-Stil. Verwenden Sie jeweils die gleiche Menge nach Gewicht. Die meisten Menschen bemerken sofort ein tieferes Milcharoma und ein runderes Mundgefühl in der zweiten Variante – und verstehen so, warum Verbraucherorganisationen Butterqualität so stark gewichten.
Für Bäckerinnen und Bäcker verändert der Umstieg auf hochwertigere Butter auch die Textur. Tourierte Teige wie Croissants oder Blätterteig reagieren sehr sensibel auf Plastizität und Geschmack des Fetts. Ein etwas teurerer Block mit stabiler Struktur und reichem Aroma kann das Endergebnis stark verbessern – selbst wenn das Rezept unverändert bleibt.
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