Französische Sparer gingen aus dem Jahr 2024 mit dem Gefühl, das Schlimmste sei überstanden.
Nun könnte ein neuer Haushaltsstreit in Paris die Regeln erneut verändern.
Hinter verschlossenen Türen lotet die neue Regierung von François Bayrou aus, wie weit sie bei der Besteuerung von Ersparnissen, Flügen und Spitzenverdienern gehen kann. Was wie eine trockene Haushaltsdebatte wirkt, könnte Millionen ganz normaler Sparer in ganz Frankreich treffen – vom kleinen finanziellen Puffer bis hin zu Lebensversicherungsverträgen im sechsstelligen Bereich.
Die stille Neugestaltung der Besteuerung französischer Ersparnisse
Der neue Finanzgesetzentwurf 2025 setzt ein sehr konkretes Ziel auf die Agenda: die Pauschalbesteuerung von Kapitaleinkünften, bekannt als Prélèvement Forfaitaire Unique (PFU). Seit 2018 hat diese einheitliche Abgabe die Besteuerung von Ersparnissen für französische Haushalte und für internationale Investoren, die das Land beobachten, relativ berechenbar gemacht.
Der PFU liegt derzeit bei 30 %. Darin enthalten sind 12,8 % Einkommensteuer und 17,2 % Sozialabgaben – als Gesamtpaket erhoben, unabhängig von Ihrem persönlichen Einkommensteuersatz. Bayrous Team signalisiert nun, dass die Regierung diesen Satz auf 33 % anheben könnte.
Der PFU würde bei Anlageerträgen von 30 % auf 33 % steigen – ein Plus von drei Prozentpunkten, das die Nettoerträge direkt schmälert.
Das mag auf dem Papier moderat klingen. Doch bei risikoarmen Produkten, deren Renditen ohnehin durch niedrigere Zinsen unter Druck stehen, können drei zusätzliche Steuerpunkte einen großen Teil des ohnehin geringen Ertrags aufzehren. Diese Verschiebung beträfe nicht nur Wohlhabende, die an den Märkten agieren. Sie würde eine breite Palette von Produkten treffen, die von ganz normalen Sparern genutzt werden.
Welche Produkte würden den PFU von 33 % spüren?
Die geplante Erhöhung würde auf die meisten Formen von Kapitaleinkünften angewendet, die derzeit unter den PFU fallen. In der Praxis bedeutet das drei große Bereiche:
- Zinsen aus Lebensversicherungsverträgen in ihren steuerpflichtigen Bestandteilen
- Zinsen aus bestimmten regulierten Sparprodukten wie dem Compte Épargne Logement (CEL) und dem Plan Épargne Logement (PEL), abhängig vom Eröffnungsdatum
- Dividenden und Kursgewinne aus Aktien und Investmentfonds, die auf steuerpflichtigen Depots gehalten werden
Das französische Steuerrecht ist voller Ausnahmen, insbesondere bei älteren PEL-Verträgen und steuerbegünstigten Produkten wie dem Livret A, der weiterhin steuerfrei bleibt. Doch die Grundidee ist klar: Finanzerträge, die heute unter den PFU fallen, würden künftig etwas stärker beschnitten.
Bayrou begründet den Schritt als Maßnahme, um die „fiskalische Solidarität zu stärken“ und Mittel für nationale Prioritäten zu sichern – von der Verteidigung bis zur grünen Transformation. Für viele Haushalte übersetzt sich das sehr konkret in kleinere Zinsgutschriften auf dem Bankkonto.
Für einen Sparer mit 1.000 Euro steuerpflichtigen Zinsen pro Jahr bedeutet ein PFU von 30 %: 700 Euro netto; bei 33 % sinkt das auf 670 Euro.
Ein Schlag für konservative Sparer?
Französische Haushalte halten einen großen Teil ihres Vermögens in cashnahen Produkten und Lebensversicherungen statt in direkten Aktienanlagen. Der psychologische Deal war lange einfach: bescheidene Renditen akzeptieren – im Gegenzug für Sicherheit und relativ stabile Steuerregeln.
Eine mögliche PFU-Erhöhung verbiegt diesen Deal. Viele Kleinanleger spüren bereits die Erosion durch Inflation und niedrige Zinsen. Eine höhere Pauschalsteuer verkleinert den Abstand zwischen sicheren Sparformen und riskanteren Anlagen, die zwar potenziell höhere Renditen bieten, aber deutlich stärkere Schwankungen.
Finanzberater in Paris erwarten drei Reaktionen, falls die Maßnahme kommt:
- Manche Sparer werden mehr Geld in steuerfreie Konten umschichten, soweit dort noch Spielraum besteht
- Manche werden niedrigere Nettoerträge als Preis der Sicherheit akzeptieren
- Eine Minderheit könnte in riskantere Anlagen wechseln oder sogar erwägen, Kapital ins Ausland zu verlagern
Gerade die letzte Reaktion bereitet dem französischen Finanzministerium Sorgen, das inländische Ersparnisse braucht, um öffentliche Schulden und künftige Investitionspläne zu finanzieren. Eine Veränderung, die in einer Tabelle klein wirkt, kann – wenn sie ungünstig kommt – Verhaltensänderungen auslösen, die sich schwerer steuern lassen.
Jenseits der Ersparnisse: die Ticketsteuer, die Reisegewohnheiten verändern könnte
Die PFU-Debatte läuft parallel zu einer weiteren heiklen Idee: einer erneuten Erhöhung der Steuer auf Flugtickets. Gesetzgeber haben diese Abgabe bereits im Herbst 2024 deutlich angehoben. Abgeordnete stimmten für eine nahezu Vervierfachung, Senatoren für eine Verdopplung. Die Endfassung ließ Airlines und Passagiere dennoch mit deutlich höheren Kosten zurück als ein Jahr zuvor.
Nun muss Bayrou entscheiden, ob er 2025 noch weiter gehen will. Die Maßnahme erfüllt mindestens zwei politische Ziele: zusätzliche Einnahmen und ein Signal der Entschlossenheit in der Klimapolitik. Frankreich hat Emissionssenkungen zugesagt, und Kurzstreckenflüge wirken wie ein leichtes symbolisches Ziel.
Höhere Steuern auf Flüge senden ein klares Preissignal: Häufiges Fliegen wird nicht mehr so günstig bleiben wie in den 2010er-Jahren.
Die Branche argumentiert, wiederholte Erhöhungen könnten die Nachfrage dämpfen – gerade in dem Moment, in dem sich der Sektor nach der Pandemie stabilisiert. Reisende stehen vor einer unmittelbaren Rechnung: Ab wann treiben Ticketpreis, Steuern und Gebühren zusammen die Gesamtkosten so weit nach oben, dass Bahn- oder Autofahrten wieder attraktiver werden?
Bayrou hat noch keine genaue Zahl genannt. Das sorgt für eine Art Schwebezustand, den Fluggesellschaften nicht mögen und den Umweltgruppen nutzen, um für einen ambitionierten Satz zu werben.
Was das für Klima und Staatsfinanzen signalisiert
Hinter dem technischen Jargon steckt ein einfacher Zielkonflikt. Frankreich braucht Einnahmen. Und es muss zeigen, dass es seine Emissionsziele erreicht. Eine Steuererhöhung auf Flüge bedient beides zugleich – zumindest auf dem Papier.
Doch je aggressiver die Steuer, desto sichtbarer die Auswirkungen auf Familien aus der Mittelschicht, die Urlaube buchen oder grenzüberschreitend pendeln. Die Regierung muss abwägen, ob Wähler diese Mehrkosten akzeptieren, wenn sie glauben, dass die Mittel tatsächlich in Schieneninfrastruktur, saubere Technologien oder Programme zur Gebäudedämmung fließen.
Eine Mindeststeuer für Spitzenverdiener
Der dritte Reformbaustein betrifft Haushalte mit sehr hohen Einkommen. Nach Bayrous sich abzeichnendem Plan würden Personen mit einem Jahreseinkommen über 250.000 Euro – oder Paare über 500.000 Euro – einer Mindestbesteuerung von 20 % auf ihr Einkommen unterliegen.
Heute senken viele sehr hohe Einkommen ihren effektiven Steuersatz legal über Nischen und Anreize: Immobilienmodelle, Renovierungen historischer Gebäude, Auslandsinvestitionen oder großzügige Abzüge, die an bestimmte Sektoren gebunden sind. Bayrou will dieses Spiel begrenzen.
Das Ziel ist simpel: Kein Spitzenverdiener soll – unabhängig von genutzten Schlupflöchern – unter eine effektive Steuerlast von 20 % rutschen.
Die Idee erinnert an globale Debatten über Mindestbesteuerung von Unternehmen und Vermögensabgaben. Frankreich hat bereits die Impôt sur la fortune immobilière auf Immobilienvermögen und ein komplexes Regelwerk zur Besteuerung von Dividenden und Kursgewinnen. Eine persönliche Mindeststeuer würde eine weitere Ebene hinzufügen – klar ausgerichtet auf die Spitze der Einkommenspyramide.
Stoppt das Steueroptimierung oder wandert Geld ins Ausland ab?
Befürworter argumentieren, ein 20%-Sockel sei moderat im Vergleich zu Spitzensteuersätzen und stelle vor allem ein Gefühl von Fairness wieder her. Kritiker warnen, jede neue Einschränkung treibe einen Teil hoch mobiler Steuerzahler in Richtung Umzug in günstigere Jurisdiktionen.
Vorerst fokussiert Bayrous Rhetorik auf die „Leistungsfähigkeit zur Beitragsleistung“ und auf die Notwendigkeit, die öffentlichen Finanzen nach Jahren der Krisenausgaben zu stabilisieren. Ob diese Erzählung die Betroffenen überzeugt, wird sowohl das Steueraufkommen als auch den politischen Lärm darum prägen.
Wie viel könnten Haushalte tatsächlich verlieren?
Um ein Gefühl für die Größenordnung zu bekommen, stellen wir uns drei typische französische Sparer vor, die mit einem PFU-Anstieg auf 33 % konfrontiert werden.
| Profil | Steuerpflichtige Anlageerträge pro Jahr | Netto bei 30 % PFU | Netto bei 33 % PFU | Jährliche Differenz |
|---|---|---|---|---|
| Vorsichtiger Sparer mit kleinem Lebensversicherungsvertrag | 500 € | 350 € | 335 € | −15 € |
| Mittelschicht-Haushalt mit Mix aus PEL und Fonds | 2.000 € | 1.400 € | 1.340 € | −60 € |
| Vermögender Anleger mit großem Portfolio | 10.000 € | 7.000 € | 6.700 € | −300 € |
Diese Zahlen sind beispielhaft, zeigen aber etwas Einfaches: Die Maßnahme knabbert jedes Jahr ein Stück. Über ein Jahrzehnt kann sich – mit Zinseszinseffekten – der verlorene Kapitalstock deutlich größer anfühlen, als es der anfängliche Anstieg um drei Punkte vermuten lässt.
Was Sparer jetzt schon prüfen können
Noch bevor das Gesetz verabschiedet ist, können in Frankreich ansässige Sparer einige grundlegende Checks durchführen. Finanzberater empfehlen eine kurze Überprüfung folgender Punkte:
- Welche Produkte in Ihrem Portfolio fallen tatsächlich unter den PFU, und welche sind ausgenommen?
- Wie viele Zinsen oder Dividenden Sie im letzten Jahr erhalten haben, die dem neuen Satz unterliegen würden
- Ob noch ungenutzte Höchstgrenzen bei steuerbegünstigten Produkten wie Livret A oder bestimmten regulierten Konten bestehen
- Wie Ihre Lebensversicherungen zwischen Euro-Fonds und riskanteren fondsgebundenen Einheiten strukturiert sind
Eine einfache Tabelle, die Nettoerträge bei 30 % und 33 % vergleicht, kann klären, ob eine Umschichtung sinnvoll ist. Bei älteren PEL-Verträgen, die vor wichtigen Reformstichtagen eröffnet wurden, kann die Rechnung trotz höherer Steuerlast weiterhin für das Behalten sprechen – dank festgeschriebener Zinssätze, die neue Produkte nicht mehr bieten.
Ein weiterer Aspekt ist Diversifikation. Ein höherer PFU kann das Gleichgewicht in Richtung langfristiger Aktienanlagen über Hüllen mit speziellen Regeln verschieben – oder hin zu Vorsorgeprodukten, bei denen die steuerliche Behandlung anders ist und Auszahlungen erst später im Leben erfolgen.
Was diese Debatte globalen Investoren über Frankreich signalisiert
Auch wenn diese Diskussion in einem französischen Kontext stattfindet, verfolgen globale Märkte sie aufmerksam. Frankreich konkurriert um Kapital mit Nachbarn, die ihre Steuersysteme ebenfalls anpassen. Eine Pauschalsteuer, die nach oben driftet, riskiert, Paris für Vermögensverwaltung etwas weniger attraktiv zu machen – selbst wenn Faktoren wie Rechtssicherheit und Infrastruktur weiterhin stark ins Gewicht fallen.
Für internationale Banken und Versicherer bedeutet jede PFU-Änderung: Broschüren, Prognosen und Produktdesign müssen neu kalibriert werden. Grenzüberschreitende Kunden halten Lebensversicherungen in Frankreich oft gerade wegen der berechenbaren Besteuerung. Ein wiederkehrendes Muster kleiner Nachjustierungen kann dieses Bild allmählich ankratzen.
Für französische Haushalte geht die eigentliche Geschichte über Schlagzeilen und Steuersätze hinaus. Es geht darum, wie viel Risiko sie sich gezwungen fühlen einzugehen, um Kaufkraft zu erhalten – und wie stabil sie die Regeln für die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre ihres finanziellen Lebens einschätzen.
Kommentare (0)
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen