On a déjà alle diesen Moment erlebt: Man kommt vom Friseur und ist überzeugt, die Trendfrisur zu tragen … bis Instagram einen daran erinnert, dass man schon wieder einer Tendenz hinterherhinkt.
Zwei Jahre lang hat der French Bob die Feeds dominiert: kurz, fluffig, chic, fast zu perfekt. Doch was, wenn die Profis hinter den Kulissen längst weitergezogen sind? In den Backstages der Fashion Weeks und in den diskreten Salons Londons setzt sich gerade eine andere Variante des Bobs durch. Freier. Klarer. Selbstbewusster. Expert:innen sind sich einig: 2026 wird das der Bob sein, nach dem als Erstes gefragt wird. Und er hat einen Namen, der sitzt.
An einem verregneten Dienstagmorgen in Paris, in einem unauffälligen Salon nahe République, legt eine Kundin ihr Handy auf die Marmorablage. Auf dem Display: eine Collage perfekt „messy“ gestylter French Bobs. Sie seufzt, schaut in den Spiegel und sagt fast verlegen: „Haben wir auch was anderes, oder sehe ich aus wie alle?“ Der Friseur lächelt, hebt die Schere, als hätte er auf diesen Moment monatelang gewartet. Er zieht eine klare Linie knapp unterhalb der Kieferpartie, arbeitet den Nacken feiner aus, nimmt den Spitzen ein wenig Gewicht. Der French Bob verschwindet nach und nach. An seine Stelle tritt ein präziserer, grafischerer Schnitt, der das Licht einfängt. Er nennt ihn den „structured blunt bob“. Die Kundin weiß es noch nicht, aber sie ist gerade direkt in 2026 gelandet.
Der Bob, der den French Bob entthront: der „structured blunt bob“
Der French Bob hatte seine Glanzzeit – aber Friseur:innen sagen es mit einem halben Lächeln: Wir sind am Sättigungspunkt. Die Bilder gleichen sich, die Wünsche auch, und die Schnittfehler erst recht. Als Gegenbewegung zur „effortless“-Welle zeichnet sich ein neues Bedürfnis ab: etwas, das bewusster ist, klarer, fast architektonisch. Der structured blunt bob ist ein gerader, voller Bob, „laser“-präzise um das Gesicht geschnitten, innen jedoch sanft ausgearbeitet. Von außen wirkt die Linie scharf. In Wirklichkeit ist der Schnitt alltagstauglich: gemacht zum Bewegen, Leben, Zerzausen.
In einem New Yorker Salon erzählt eine Coloristin, dass sie in den DMs ihrer Kundinnen immer wieder denselben Screenshot sieht: ein gerader Bob, knapp unter dem Kinn, ohne sichtbare Stufen, getragen mal mit Mittelscheitel, mal leicht versetzt. Einige kommen von langen Wellen, andere von einem French Bob, den sie plötzlich „zu niedlich“ finden. Eine Frau um die dreißig sagt, sie wolle „einen Bob, der etwas sagt, wenn ich einen Raum betrete“. Die Zahlen ziehen nach: Mehrere Salonketten in Europa melden bereits zweistellige Zuwächse bei Anfragen nach Blunt Bobs, die an die Kieferlinie angepasst sind. Und das ist erst der Anfang der Welle.
Warum dieses Comeback des grafischen Bobs gerade jetzt? Profis sprechen von einem Bedürfnis nach Klarheit – nach Jahren von „haarigem Nebel“ und „ich lass wachsen, mal sehen“. Eine saubere Schnittlinie rahmt das Gesicht, gibt Struktur, fast wie ein mentaler Rahmen. Anders als der French Bob, der von Bewegung und Unregelmäßigkeit lebt, spielt der structured blunt bob mit der Präzision einer horizontalen Linie – und mit einer extrem subtilen Innenarbeit. Die Spitzen bleiben dicht, die Basis schön voll, ohne den gefürchteten „Dreieck“-Effekt der 2000er. Dieser Schnitt sagt: „Ich entscheide. Ich schneide. Ich stehe dazu.“ Und das passt erstaunlich gut zu einer Generation, die vom permanenten Ungefähren müde ist.
Wie man ihn trägt, ohne sich zu verschnitten (und im Alltag damit klarkommt)
Technisch wird der structured blunt bob auf den Millimeter genau gearbeitet. Der wichtigste Tipp: Die Länge wird nach einem einzigen Referenzpunkt gewählt – dem Kiefer. Bei einem runderen Gesicht empfehlen Expert:innen eine Linie etwas darunter, um optisch zu strecken. Bei einem kantigen Gesicht darf die Kante näher am Knochen „entlangflirten“ – für einen ziemlich starken Editorial-Effekt. Im Nacken wird minimal kürzer gearbeitet, fast unsichtbar, damit sich das Haar von selbst nach vorn ausrichtet. Genau dieses Mikro-Gefälle erzeugt den „reichen“ Fall, ohne kompliziertes Styling.
Die meisten Friseur:innen, die diesen Bob wirklich beherrschen, fragen zu Beginn fast immer dasselbe: Wie trocknen deine Haare an der Luft? Kein schnelles Glätten, kein hastig gelöster Dutt. Sie schauen auf Bewegung, Wirbel, die Stellen, die aufquellen. Genau da machen viele den Fehler: Man bringt ein Pinterest-Foto mit, versteckt die echte Textur – und ist am Ende enttäuscht. Seien wir ehrlich: Dieses perfekte Mini-Salon-Föhnen macht zu Hause kaum jemand jeden Tag. Ein gut geschnittener structured blunt bob sollte mit schnellem Trocknen und etwas Produkt, mit den Fingern eingearbeitet, funktionieren.
Eine Londoner Hair Stylistin fasst die Philosophie dieses Cuts ihren zögerlichen Kundinnen oft so zusammen:
„Ziel ist nicht der perfekte Bob. Ziel ist eine klare Linie, die auch deine faulen Tage, kurzen Nächte und Zoom-Meetings aushält.“
Sie betont auch die klassischen Fehler, die man vermeiden sollte: zu viel Stufung im Nacken, eine ausgedünnte Basis, die den Schnitt nach drei Wochen alt aussehen lässt, und ein festgezurrtes „Helm“-Volumen. Viele Profis geben deshalb inzwischen ein kurzes Memo mit:
- Eine volle Basis verlangen, bei viel Masse ggf. mit einem sehr leichten Undercut.
- Eine Länge wählen, die man zur Not noch zusammennehmen kann (Spange, Mini-Zopf).
- Ein „softes Föhnen“ bevorzugen: große Bürste, sanfte Hitze, leichte Bewegung nach innen.
Dieser Bob soll nicht starr wirken – er ist dafür da, das echte Leben mitzumachen.
Nach dem French Bob: Was dieser neue Bob über uns sagt
Der structured blunt bob ersetzt nicht nur einen Instagram-Trend; er rüttelt an einer ganzen Art, sich der Welt zu zeigen. Wo der French Bob auf Lässigkeit setzte, wirkt dieser neue Bob direkter, frontaler. Er passt zu einem Comeback klarer Linien: Blazer mit Schulter, Bundfaltenhosen, markante Brillen. Man spürt den Wunsch, sich neu zu zeichnen, sich wieder einen Rahmen zu geben – nach Jahren von „comfy everything“. Es ist nicht nur ein Haarschnitt, sondern eine Mikro-Entscheidung, die man sieht und die eine Silhouette in drei Scherenschnitten verändert.
Friseur:innen erzählen Geschichten, die sich ähneln: eine Trennung, ein neuer Job, ein Umzug – und dieses fast körperliche Bedürfnis, „glatt“ abzuschneiden. Viele wählen genau diesen Bob, weil er weich bleibt, ohne ins radikal Kurze zu kippen. Es ist beruhigend zu wissen, dass man ihn mit zwei Zentimetern Spielraum noch zusammenbinden, locken oder glätten kann. Und gleichzeitig sieht man an dem Morgen, an dem man ihn einfach fallen lässt, sofort den Unterschied im Spiegel: Das Gesicht wirkt definierter, der Nacken zeichnet sich ab, die Haltung verändert sich.
Was diesen Bob für 2026 besonders vielversprechend macht, ist seine Fähigkeit, durch verschiedene Styles zu tragen. Auf glänzendem Braun wirkt die Linie grafisch, fast minimalistisch. Auf texturiertem Blond bekommt sie etwas „californian chic“. Auf lockigem Haar – innen leicht erleichtert – wird der structured blunt bob zu einer Art kontrollierter Wolke ums Gesicht, mit einer klaren Basis, die den formlosen Masse-Effekt verhindert. Das ist kein Nischenhaarschnitt nur für Runways oder „perfekte“ Gesichter. Das ist ein Schnitt fürs echte Leben, der über Wochen an Charakter gewinnt. Und genau das ist das Geheimnis, damit ein Trend nicht nach drei Scrolls stirbt.
| Schlüsselpunkt | Detail | Nutzen für Leser:innen |
|---|---|---|
| Schnitt „structured blunt bob“ | Gerader Bob, volle Basis, klare Linie entlang der Kieferpartie | Den exakten Namen kennen, den man 2026 im Salon sagt |
| Anpassung ans Gesicht | Länge am Kieferknochen ausrichten, Nacken minimal kürzer | „Helm“-Effekt vermeiden und ein schmeichelndes Ergebnis erzielen |
| Realistische Pflege | Einfaches Trocknen, Nachschneiden alle 6–8 Wochen, leichte Produkte | Zeit- und Budgetaufwand realistisch planen, ohne Illusionen |
FAQ
- Wem steht der structured blunt bob? Fast allen Gesichtsformen – solange die Länge an den Kiefer angepasst wird und die Haardichte berücksichtigt ist.
- Was ist der Unterschied zu einem klassischen Bob? Die Basis ist voller, die Linie klarer, mit subtiler Innenarbeit für Bewegung ohne sichtbare Stufen.
- Braucht man glatte Haare dafür? Nein, er funktioniert auch bei Wellen und Locken, wenn der Schnitt auf die natürliche Textur abgestimmt ist.
- Ist der Schnitt schwer zu pflegen? Die Form hält gut, aber alle 6 bis 8 Wochen ist ein Nachschnitt sinnvoll, damit die Linie präzise bleibt.
- Kann man ihn noch zusammenbinden? Ja, mit einer Länge knapp unter dem Kiefer sind Mini-Zöpfe, Half-up-Styles oder Klammern möglich.
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