Viele Menschen verwenden immer noch schmerzhaft offensichtliche PIN-Codes, ohne zu merken, wie schnell ein Dieb sie knacken und ein Konto leer räumen kann.
Deine Bankkarte wirkt harmlos im Portemonnaie – doch vier Ziffern stehen zwischen deinen Ersparnissen und den Fingern eines Kriminellen. Diese Ziffern verraten mehr über deine Gewohnheiten, als du denkst – und für Millionen Menschen sind sie fast eine offene Tür.
Warum schwache PIN-Codes ein goldenes Ticket für Diebe sind
Eine gestohlene Karte allein bringt wenig. Eine gestohlene Karte mit einer vorhersehbaren PIN wird zu sofort verfügbarem Bargeld. Genau deshalb greifen Täter oft zunächst nicht zu ausgefeilten Hacking-Tools. Sie beginnen damit, die Codes auszuprobieren, die viel zu viele Menschen noch immer wählen.
Wenn deine PIN 1234, 1111, 0000 oder etwas Ähnliches ist, spielst du finanzielle Roulette mit deinem Bankkonto.
Sicherheitsforschung der letzten zehn Jahre wiederholt dieselbe Warnung: Eine überraschend kleine Menge an vierstelligen Kombinationen macht einen großen Anteil der real genutzten PINs aus. Kriminelle kennen diese Listen auswendig. Wenn sie eine Karte stehlen, stehen sie am Geldautomaten und probieren zuerst die „Top 20“.
Zu den am häufigsten missbrauchten und leicht zu erratenden PINs zählen laut Experten regelmäßig Kombinationen wie:
- 1234
- 0000
- 1111, 2222, 3333, 4444, 7777
- 1212, 6969, 2000, 1004 und ähnliche Muster
Diese Codes verbreiten sich, weil sie leicht zu merken und schnell einzutippen sind. Sie verbreiten sich aber auch, weil viele Karteninhaber fälschlicherweise glauben, das eigentliche Risiko liege nur online. Statistiken zeigen etwas anderes: Kartenbetrug speist sich weiterhin stark aus physischen Karten, „Shoulder Surfing“ an Kassen und erratenen PINs an Geldautomaten.
Ein großer europäischer Bericht zeigte kürzlich, dass allein Frankreich für über 40 % des Kartenbetrugs in der Region verantwortlich war – wobei vorhersehbare PINs den Diebstahl zusätzlich beschleunigen.
Sobald ein Täter die richtige Kombination trifft, kann er innerhalb von Minuten Bargeld abheben und im Laden bezahlen – manchmal, bevor du überhaupt merkst, dass die Karte fehlt.
Wie Kriminelle deine vier Ziffern tatsächlich erraten
Der Rateprozess sieht selten aus wie eine Hollywood-Hacker-Montage. Meist ist er langweilig, methodisch und schnell.
Von Social-Media-Hinweisen bis zum Kartenleser
Angreifer beginnen oft damit, deine digitale Spur auszuwerten. Geburtstage, Jahrestage, Namen der Kinder, Trikotnummern und Adressen stehen öffentlich in Profilen, Fotos und Kommentaren. Viele Menschen wählen noch immer vier Ziffern, die verknüpft sind mit:
- Geburtsjahr oder Geburtsdatum (1987, 0712 etc.)
- Hochzeitstag oder Geburtstag des Partners/der Partnerin
- Geburtstagen von Kindern oder Haustieren
- Hausnummer oder Wohnungsnummer
- sich wiederholenden Ziffern, die sich „glücklich“ anfühlen
Kombiniert man das mit einem gestohlenen Portemonnaie, kann ein Täter die Möglichkeiten schnell eingrenzen. Führerschein oder Ausweis zeigen dein Geburtsdatum. Ein Briefumschlag oder eine Kundenkarte kann Postleitzahl oder Hausnummer verraten. Das reicht, um eine kurze Liste wahrscheinlicher PINs zu testen.
Einfache Muster, die du niemals verwenden solltest
Selbst ohne persönliche Informationen lieben Menschen Muster. Kriminelle nutzen das aus. Beim Testen zufälliger Karten zielen sie auf offensichtliche Sequenzen wie:
- aufsteigende Reihen: 1234, 2345, 3456
- wiederholte Paare: 0101, 2020, 1212
- Blöcke auf dem Tastenfeld: 2580, 1478, 1593
- wiederverwendete PINs von anderen Karten oder Smartphone-Sperren
Studien zeigen, dass ungefähr 10–20 % der Nutzer eine PIN wählen, die auf Listen der „häufigsten“ Kombinationen auftaucht. Das ist ein Traum-Szenario für jeden, der eine Karte schnell knacken will.
Viele Banken schränken offensichtliche Muster ein, aber nicht alle. Manche blockieren nur die schlimmsten Ausreißer wie 1234 oder 0000. Dadurch bleiben tausende riskante Kombinationen übrig, die weiterhin durchrutschen.
Wie du eine sicherere PIN wählst, ohne sie zu vergessen
Sicherheitsratschläge wirken abstrakt, bis du vor dem Geldautomaten stehst und dich an deinen neuen Code erinnern musst. Du brauchst etwas Starkes – aber dein Gehirn braucht auch einen Anker. Der Trick ist, ein privates System zu schaffen, das nur du entschlüsseln kannst.
Eine einfache Methode, die die Sicherheit erhöht
Hier ist ein Ansatz, der Merkbarkeit und Sicherheit ausbalanciert:
- Wähle einen kurzen, privaten Satz in deinem Kopf, zum Beispiel: „Mein erster Hund hieß Rex und das war 2004.“
- Nimm die ersten vier Konsonanten: „M“, „F“, „R“, „R“.
- Ordne diese Buchstaben Ziffern zu – über eine Tastenfeld-Logik oder deine eigene Zuordnung (zum Beispiel ABC=1, DEF=2, GHI=3 usw.).
- Verwende die daraus entstehenden vier Ziffern als deine PIN.
Für andere wirkt die PIN zufällig. Für dich dient der Satz als Gedächtnisstütze, ohne jemals im Portemonnaie oder auf dem Handy aufzutauchen. Du kannst dein eigenes Zuordnungssystem erfinden – solange du es nicht teilst.
| Schlechte Wahl | Warum riskant | Besserer Ansatz |
|---|---|---|
| 1234 | Häufigste PIN weltweit, wird von Dieben zuerst getestet | Vier Ziffern, abgeleitet aus einem privaten Satz |
| 0712 (dein Geburtstag) | Geburtsdatum ist auf Ausweisen sichtbar, leicht zu erraten | Ziffern basierend auf einer Phrase, die nur du kennst |
| 0000 / 1111 | Triviales Muster, von manchen Banken gesperrt, aber nicht von allen | Nicht wiederholte, gemischte Ziffern ohne erkennbare Logik |
Verwende niemals dieselbe PIN für mehrere Karten oder Geräte. Wenn ein Code kompromittiert wird, sollen nicht alle anderen mitfallen.
Alltägliche Gewohnheiten, die dein Bankkonto unauffällig schützen
Eine starke PIN hilft – aber dein Verhalten rund um diesen Code ist genauso wichtig. Viele Betrugsfälle beginnen mit kleinen Nachlässigkeiten: eine Karte auf dem Tisch liegen lassen, ein Kassierer schaut beim Tippen zu, ein Foto einer neuen Karte wird online gepostet.
Konkrete Schritte, die du diese Woche umsetzen kannst
- Decke das Tastenfeld jedes Mal mit der Hand ab, wenn du die PIN eingibst – auch im kleinen Kiosk um die Ecke.
- Teile deinen Code mit niemandem, auch nicht mit Familie oder Partnern. Sobald eine andere Person ihn kennt, verlierst du die Kontrolle.
- Schreibe die PIN nie auf die Karte und bewahre sie nicht im selben Portemonnaie auf – auch nicht getarnt als „Telefonnummer“.
- Prüfe deine Banking-App oder Kontoauszüge mindestens einmal pro Woche, nicht erst am Monatsende.
- Richte Sofort-Benachrichtigungen für Transaktionen per SMS oder App ein, sofern deine Bank das anbietet.
Regelmäßiges Monitoring entscheidet oft darüber, ob es bei einer betrügerischen Transaktion bleibt – oder ob eine Serie von Abhebungen dein Konto leert, bevor du reagierst.
Was du tun solltest, wenn du Betrug vermutest oder deine Karte verlierst
Schnelligkeit schlägt Panik. In dem Moment, in dem du eine seltsame Zahlung bemerkst oder feststellst, dass deine Karte verschwunden ist, solltest du sie sperren. Die meisten Banken bieten inzwischen mehrere Kanäle gleichzeitig: Apps, Notfall-Hotlines und teils auch Chat-Services.
Handle, wenn möglich, innerhalb von Minuten: Karte sperren, Transaktionen melden, dann alle Belege und Hinweise sammeln.
Die grundlegenden Schritte sehen meist so aus:
- Sperre die Karte sofort über die Banking-App oder rufe die Notfallnummer an.
- Liste alle verdächtigen Zahlungen mit exakten Beträgen, Daten und Händlern auf.
- Kontaktiere die Betrugsabteilung deiner Bank und reiche offiziell eine Reklamation/Anfechtung ein.
- Melde den Diebstahl oder Betrug der Polizei und bewahre eine Kopie der Anzeige auf.
- Beobachte dein Konto in den folgenden Wochen genau, falls neue Versuche auftauchen.
In Großbritannien, der EU und den USA verlangen Verbraucherschutzregeln in der Regel, dass Banken nicht autorisierte Transaktionen erstatten – solange du deine PIN nicht geteilt oder grob fahrlässig gehandelt hast. Wenn du deine PIN auf die Karte geschrieben oder jemandem gegeben hast, der sie missbraucht, kann die Bank argumentieren, dass du die Verantwortung trägst.
Die digitale Seite: Phishing, Fake-Websites und „hilfsbereite“ Anrufer
Kartenbetrug findet nicht mehr nur am Geldautomaten statt. Kriminelle Gruppen verbinden physische Diebstähle inzwischen mit digitalen Tricks. Eine gängige Methode sind Phishing-E-Mails oder SMS, die deine Bank imitieren und dich drängen, dein Konto zu „sichern“, indem du Karten- und PIN-Daten auf einer gefälschten Seite eingibst.
Betrüger rufen Opfer auch an und geben sich als Bankmitarbeiter aus. Sie behaupten, es habe verdächtige Aktivitäten gegeben, und bitten dich, zur „Bestätigung“ die PIN oder Kartennummer zu nennen. Echte Banken verlangen nicht, dass du deine vollständige PIN am Telefon, per E-Mail oder per SMS preisgibst. Auflegen ist sicherer als höflich zu sein.
Wenn dich jemand auffordert, deine komplette PIN außerhalb eines Kartenlesers oder Zahlungsterminals zu sagen oder einzutippen, betrachte das als Warnsignal und beende das Gespräch.
Starke Passwörter fürs Online-Banking, aktuelle Geräte und eine gesunde Skepsis gegenüber unerwarteten Nachrichten schaffen zusätzliche Schutzschichten – ergänzend zur Sicherheit deiner physischen Karte.
Warum es sinnvoll ist, deine PIN heute zu ändern
Viele Karteninhaber behalten jahrelang denselben Code. Das Leben ist stressig – und wenn noch nichts passiert ist, ist die Versuchung groß, alles so zu lassen. Genau auf diese stille Bequemlichkeit setzen Kriminelle.
Ein schneller Wechsel durchbricht dieses Muster. Wenn deine PIN aktuell auf einer Liste offensichtlicher Kombinationen steht, senkst du durch eine Änderung ab heute dein Risiko. Das dauert meist nur ein paar Minuten – am Geldautomaten oder über die App deiner Bank – und du kannst die Gelegenheit nutzen, deine Sicherheitsgewohnheiten insgesamt zu überdenken.
Du könntest sogar einen kleinen persönlichen „Audit“ machen: Welche Karten teilen sich dieselbe PIN, welche nutzen Daten oder Muster, und wie oft kontrollierst du tatsächlich deine Auszüge? Diese kurze Übung zeigt oft mehr Schwachstellen, als du erwartest.
Betrachte deine PIN als lebendigen Teil deiner finanziellen Hygiene – nicht als feste Zahl, die du einmal gewählt und dann vergessen hast. Ein paar kleine Anpassungen – ein smarterer Code, bessere Gewohnheiten an der Kasse und schnellere Reaktionen auf verdächtige Aktivitäten – können verhindern, dass ein Dieb aus vier Ziffern einen verheerenden Verlust macht.
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